Letzte Aktualisierung: 20-07-2006   Seite Bookmarken
 
 
Alpine Freight Railway
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14.01.04 Chiemgau Zeitung  
Auf Schienen in die Zukunft
Prien (db) - Karl Fischer steht mit beiden Beinen auf den Schienen. Egal, welches Projekt der Geschäftsführer des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) in der Sitzung des Marktgemeinderats auch vorstellte, immer kam Bahnen und Gleisen eine Schlüsselrolle zu.
Fischer und seine Mannschaft haben sich besonders der Verlagerung des Güterverkehrs über die Alpen von der Straße auf die Schiene verschrieben.
«Alpine Freight Railway», kurz «AlpFRail» ist ein neues Projekt, das das LKZ in den nächsten drei Jahren intensiv beschäftigen und fordern wird. In Prien laufen die Fäden dieses Projekts zusammen, für das Fischer und sein Team bei einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag bekamen. 463 Projekte standen zur Wahl, erklärte Fischer nicht ohne Stolz. Die EU zahlt für die Arbeit drei Millionen Euro (wir berichteten). Führende Vertreter von Regierungen und Verbänden aus sechs Ländern sitzen mit im Boot. Die Grundidee basiert auf «grenzenlosem» Denken. Während die Bahngesellschaften in den einzelnen Ländern auf ihr eigenes Streckennetz fokussiert seien, bezieht das LZK in seine Überlegungen alle Schienenstränge von Bayern bis zum Mittelmeer mit ein.
Ohne den Umweg über die Nordseehäfen, wo zum Beispiel große Teile der Güterströme Richtung asiatischer Raum heutzutage verschifft werden, ließen sich drei Tage Transportzeit einsparen, erläuterte Fischer den staunenden Kommunalpolitikern. Auf den Zug aufgesprungen sind Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich und Slowenien. Nur mit dem Land Tirol gebe es noch einige Fragen zu klären, so Fischer.
Ein anderes Großprojekt, das im LKZ im Auftrag Österreichs bearbeitet wird, ist wiederum ein wichtiges Teilstück für die alpenquerende europäische Planung. Bei der Optimierung der Auslastung der so genannten Tauernachse, der Schienenverbindung zwischen Salzburg und Villach, arbeiten die Fachleute in der Priener Ideenschmiede auf eigenen Wunsch ohne Mitwirkung der Bahnen. Entstehen soll ein umfangreiches Geschäftskonzept, in dem alle Einzelheiten genau aufgeschlüsselt werden. «Da muss zum Beispiel drinstehen, was der Lokführer zu tun hat,» sagte Fischer.
Seiner Überzeugung nach könnten auf der Trasse täglich bis zu 240 Züge verkehren. Dies scheitere derzeit vor allem noch daran, dass von den 70 eingesetzten Loks 20 älterer Bauart seien und begrenzte Höchstgeschwindigkeiten hätten. Deshalb würden bei der langfristigen Planung der Fahrzeiten die langsameren Loks als Maßstab verwendet. Im LKZ arbeite man an einer Simulation des Betriebs, in der jeder noch so kleine Faktor berücksichtigt werde, um die derzeitige Fahrzeit von vier Stunden deutlich zu verkürzen.
Fischer stellte auch die «Logistikbrücke München-Salzburg» vor, an der sich mittlerweile 26 Spediteure beteiligten und mit der Lkw-Güterverkehr gebündelt werden soll, um die Zahl der Brummis auf den Fernstraßen zu senken. Für die Region 18 arbeite das LKZ an einem Konzept, um Warentransporte per Bahn auf die Strecke München-Mühldorf-Freilassing umzulenken und so die Inntaltrasse zu entlasten. Mit Bürgermeistern und Landräten soll diese Idee dann in der Bundeshauptstadt Berlin präsentiert werden, um zu beweisen, dass sich der Weg über Mühldorf doch rechnet.
Zum Schluss seines Vortrags richtete der LKZ-Geschäftsführer noch zwei Bitten an die Gemeinderäte. Zum einen brauche das Zentrum eine bessere Beschilderung, vor allem an der Bernauer Straße, schon, um den vielen hochkarätigen Gästen, die bei den zahlreichen Besprechungen zu «AlpFRail» in den nächsten Jahren in Prien erwartet würden, den Weg zu weisen. Zum anderen kündigte er das dritte internationale Symposium «Logistik innovativ» am 12. und 13. Mai dieses Jahres an, bei dem es wünschenswert sei, wenn der Markt Prien am Vorabend der Tagung eine Veranstaltung zur Begrüßung der Gäste aus dem In- und Ausland ausrichten könnte.
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