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Freude über die erfolgreiche Übung: v.links nach rechts: LKZ-Geschäftsführer Karl Fischer, der Tiroler Landesbaudirektor Dr. Herbert Biasi, der Rosenheimer Landrat Dr. Max Gimple, die Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Elisabeth Zanon
Freude über die erfolgreiche Übung: v.links nach rechts: LKZ-Geschäftsführer Karl Fischer, der Tiroler Landesbaudirektor Dr. Herbert Biasi, der Rosenheimer Landrat Dr. Max Gimple, die Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Elisabeth Zanon
03.06.2007 Erster Schritt für abgestimmte Alarmierungspläne zwischen Bayern und Tirol  
Erfolgreiche Großübung im grenzüberschreitenden Rettungsdienst: Übungsziel erreicht
Prien am Chiemsee, 03.Juni 2007 –  Zwischen den Rettungsdiensten in Bayern und Tirol soll es in Zukunft abgestimmte Alarmierungspläne für Großeinsätze geben. Ein erster erfolgreicher Schritt dafür war eine Großübung mit 230 Rettungskräften und 49 „Verletzten“ am Samstag, den 02. Juni auf dem Inn zwischen Kiefersfelden (Bayern) und Ebbs (Tirol). Möglich wurde dies durch das europäische Projekt „Patienten-Transport-Logistik – PTL“ mit der neutralen Koordination des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ). Es wird von der EU im Rahmen des Programms Interreg III A, sowie vom Land Tirol, dem Freistaat Bayern und dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Rosenheim finanziert. Das Projekt hat zum Ziel, den grenzüberschreitenden Rettungsdienst und Krankentransport effektiver zu gestalten und technische, sowie organisatorische Hindernisse zu beseitigen. So funktioniert beispielsweise der Funkverkehr zwischen Bayern und Tirol nicht, es gibt unterschiedliche Notfallnummern, Rettungsgassen sind verschieden zu bilden und der Rettungsdienst ist in beiden Ländern unterschiedlich organisiert. Kerngebiet des Projekts sind Stadt und Landkreis Rosenheim, der Landkreis Miesbach und das Land Tirol. Beteiligt waren Leitstellen, Rettungsdienste, Feuerwehren, Wasserwacht und Rettungshubschrauber aus beiden Ländern. Um 18:00 Uhr wurden die  Notrufe abgesetzt. Auf dem Passagierschiff „St.  Nikolaus“ hatte es im Maschinenraum eine Explosion gegeben. 49 Fahrgäste waren an Bord, 15 davon waren unverletzt und 24 verletzt an Bord, 10 sprangen in Panik ins Wasser. Auf beiden Seiten des Inns war in Kürze ein Großaufgebot an Rettungsdiensten vor Ort, auch Hubschrauber kamen zum Einsatz. Das Schiff stand genau in der Mitte des Inns und somit auf der Grenze zwischen Tirol und Bayern. Dies erforderte eine schnelle Klärung der Zuständigkeiten bei der Einsatzleitung. In aufgebauten Zelten am Ufer wurden die Verletzten vor ihrem Abtransport in die Krankenhäuser versorgt.
Die Übungsleitung hatte Dr. Herbert Walter von der Abteilung Zivil- und Katastrophenschutz beim Amt der Tiroler Landesregierung. Es zeigte sich sehr schnell, dass  die in beiden Ländern historisch gewachsenen Strukturen  nicht leicht innerhalb weniger Minuten  in Einklang zu bringen sind. Am Ufer verfolgten unter anderem die Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Elisabeth Zanon, der Rosenheimer Landrat Dr. Max Gimple und einige Bürgermeister von Anlieger-Gemeinden, sowie viele Passanten, interessiert das Geschehen. 14 Beobachter des LKZ, des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik und der Fachhochschule Rosenheim und 12 Beobachter der Rettungsorganisationen hielten jedes Detail der Übung fest. Auch die Gäste und Verletzten dokumentierten ihre Erfahrungen auf Fragebögen.
 „Bei dieser Übung ging es vor allem um die grenzüberschreitende Führung und Kommunikation  zwischen den Rettungsdiensten, “ erläuterte LKZ-Geschäftsführer Karl Fischer. Zur Koordination der Einsatzkräfte wurde der Einsatzwagen des BRK Rosenheim (ELW 2) in Ebbs stationiert. Weil der Funkverkehr und die Handyverbindungen im Grenzgebiet sehr schwierig sind, wurde bei der Großübung erstmals ein „Einsatztagebuch“ über ein Intranet ausgetauscht. Alle Daten über verfügbare Einsatzwagen, Hubschrauber und Einsatzkräfte, sowie der gesamte Ablauf wurden hier während der Übung eingetragen. „Insgesamt ist festzustellen, dass wir alle bei der Großübung sehr viel gelernt haben, und dass der lange Vorlauf mit über 100 Sitzungen und über 500 Beteiligten aus beiden Ländern notwendig war. Die Herausforderungen liegen nicht nur in erster Linie bei den Investitionen in Fahrzeuge und Material, sondern in der Koordination und der logistischen Abwicklung. Bei dieser Großübung wurde sehr deutlich, dass noch viel zu tun ist, um für die Bewohner in diesem Gebiet die optimale Versorgung sicher zu stellen.“, betonte Fischer.  Das LKZ wird jetzt mit der Fachhochschule und dem Fraunhofer-Institut alle Fotos, das Einsatztagebuch, den Film eines Dokumentations-Teams des ÖRK, die Aufzeichnungen der Beobachter und die ausgefüllten Fragebögen von Verletzten und Gästen auswerten. Herauskommen soll am Ende ein abgestimmter Alarmierungsplan für grenzüberschreitende Einsätze, vorerst für die Anforderungen nach einem Schiffsunfall. Später soll es auch für andere Einsatzbedingungen – z.B. für Massenunfälle auf der Inntalautobahn – solche Pläne geben.
„Wir werden dabei auch herausarbeiten, welche Änderungen nicht nur die Rettungsdienste, sondern auch die Gesetzgeber in Bayern, Tirol und der EU vornehmen müssen, damit der Rettungsdienst reibungslos funktioniert“, sagte Fischer.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Elisabeth Zanon dankte allen Teilnehmern und den engagierten ehrenamtlichen Helfern. „Diese Übung hat höchste Bedeutung für Notfalleinsätze. Wir leben zwar in der EU, doch im Rettungsdienst stoßen wir noch an Grenzen. Diese Grenzen können wir mit solchen Übungen und mit dem EU-Projekt „Patiententransport-Logistik“ abbauen.“
Der Tiroler Landesbaudirektor Herbert Biasi zog ein positives Fazit der Großübung. „Man hat zwar gespürt, dass es hier zwei verschiedene Kulturen und Philosophien im Rettungsdienst gibt“, meinte er. „Doch eine Übung ohne Fehler wäre umsonst gewesen. Es sind oft Details, so zum Beispiel waren einige Einsatzfahrzeuge falsch abgestellt, und der Lärm eines Luftaggregats hat die Kommunikation behindert.“ Die Auswertung der Übung wird vier bis fünf Wochen dauern.
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