|
|
|
|
|
| Parlamentsgruppe Schienen- verkehr des Deutschen Bundestages in Berlin |
|
|
| Deutscher Bundestag in Berlin |
 |
16.03.2005
Alpen querender Schienengüterverkehr jetzt Chefsache in Berlin |
Das Problem des Alpen querenden Schienengüterverkehrs ist jetzt auch in Berlin zur Chefsache geworden. Dieses erfreuliche Fazit konnte der Geschäftsführer des Priener Logistik-Kompetenzzentrums (LKZ) Karl Fischer nach der Präsentation des EU-Projekts „AlpFRail“ vor der Parlamentsgruppe Schienenverkehr des Deutschen Bundestages in Berlin ziehen.
Bei einem Vortrag im Berliner Hilton-Hotel informierte er Verkehrspolitiker der Bundestagsfraktionen, hochrangige Vertreter von Bahnen, Ministerien und Unternehmen aus der Industrie über den Stand des Projekts. Mit Erfolg: die Verkehrspolitiker der vier Bundestagsfraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen und der Vorsitzende der Parlamentsgruppe Schienenverkehr Eduard Oswald (CSU) sprachen sich dafür aus, das Projekt Alpine Freight Railway (AlpFRail) auch politisch zu begleiten und die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu forcieren.
Karl Fischer zeigte in seiner Präsentation die Defizite im europaweiten Schienengüterverkehr auf. „Es gibt noch zu wenig Denken in Netzwerken, es fehlt das „Produkt Schiene“, wie der Kunde es auf der Straße mit dem Angebot „One face to the customer„ findet und oft genug macht das Denken in Sachen Verkehr an der eigenen Landesgrenze halt.“ Als Beleg dafür führte Fischer die Deutsche Bahn an: „Ein Konzern dieser Größe hat keinen einzigen Außendienstmitarbeiter im Ausland.
Das LKZ ist Leadpartner dieses von der EU im Rahmen des Programmes Interreg IIIB zu 50 % geförderten Projektes. Ziel ist es, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dazu wird im Alpenraum ein Schienennetzwerk organisiert, das Verbindungen in alle Himmelsrichtungen ermöglicht und die Mittelmeerhäfen mit einbindet. Fischer konnte dafür 17 Partner aus den Alpenländern gewinnen. „Erstmals sitzen Politiker, Verkehrsfachleute, die Bahnen und Unternehmen aus dem ganzen Alpenraum, von Rhone-Alpes bis nach Slowenien an einem Tisch“, erklärte der Geschäftsführer. Mit drastischen Zahlen konnte er die Bundestags- abgeordneten von der Dringlichkeit des Problems überzeugen. „Der Alpen querende Güterverkehr hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt, 104 Millionen Tonnen Güter kamen im Jahr 2003 über die Straße und die Schiene über den Alpenbogen.“ Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der LKW über den Brenner um 25 Prozent auf 1, 8 Millionen an.
Fischer bat die Bundespolitiker, Unternehmer und Vertreter der Bahnen um Unterstützung beim Projekt AlpFRail und bei seiner Forderung nach Investitionen in die Schieneninfrastruktur fordert er eine Länder übergreifende Betrachtung und Koordination „Der Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing ist kein oberbayerisches Thema. Er ist für das gesamte europäische Schienennetzwerk nötig, denn wir entlasten so die Strecke München-Rosenheim und damit eine der wichtigsten Hauptrouten für den weiteren Verkehr über den Brenner nach Italien.
Stark machen sollen sich die Bundespolitiker und die Deutsche Bahn nach Ansicht von Fischer auch für technische und organisatorische Änderungen im Gütertransport. „Wir haben Wechselbrücken, Kühlcontainer, kranbare Sattelauflieger, Seecontainer – und für jedes System fährt ein eigener Zug, für jedes System gibt es für Kunden andere Ansprechpartner. Gemischte Züge würden zu neuen wirtschaftlichen Schienenangeboten führen.“ Dafür müssten aber auch politische Entscheidungsträger die Weichen stellen. Steine aus dem Weg räumen muss die Politik auch bei anderen Themen: so etwa fehlt noch eine Länder übergreifende Regelung für den Einsatz von Lokführern und es gibt noch zu wenige Mehrsystemloks, um die unterschiedlichen Stromsysteme im Alpenraum überwinden zu können.
Fischer appellierte an die Politiker, sich für ein abgestimmtes Konzept für alle Alpenstaaten einzusetzen. „Ziel muss ein: one face to the costumer – also das Produkt Schiene aus einer Hand für den Kunden sein.“ Im Projekt AlpFRail beraten und entscheiden die beteiligten Partner bei regelmäßigen Treffen. Karl Fischer wünscht sich jetzt eine Verkehrsministerkonferenz im Herbst, um den politischen Druck zu erhöhen. „Ziel ist es, ein Grundgesetz für den Alpen querenden Kombinierten Verkehr zu unterzeichnen.“ Einen Ort dafür hat Fischer auch schon: die Herreninsel im Chiemsee, wo die Bayerische Verfassung und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland geboren wurden. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist noch offen.
|
|